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Wie geht es weiter mit der HSH-Nordbank?

Autor: CIS am 09.06.2016

HSH

(Von Horst Schinzel) - An diesem Donnerstag hat die HSH-Nordbank mit erheblicher Verspätung den Jahresbericht für 2015 vorgelegt. Zugleich bedeutet dieser Donnerstag das Ende der Ära des Vorstandsvorsitzenden Constantin von Österreich An seine Stelle tritt der bisherige Finanzvorstand Stefan Ermisch (50). Wie der NDR, aber auch andere Mdien berichten, übernimmt der ein Zahlenwerk, durch das offenbar selbst Fachleute kaum mehr durchblicken.

Foto: Wikimedia - CC - Arne List

Offiziell heißt es...

Die HSH Nordbank hat den positiven Vorjahrestrend fortgesetzt und in einem Jahr des Umbruchs auch 2015 sichtbare Fortschritte auf dem Weg zu mehr Stabilität und nachhaltiger Profitabilität gemacht. Zugleich haben die positive Entscheidung im EU-Beihilfeverfahren und der damit 2018 bevorstehende Eigentümerwechsel den Jahres- und Konzernabschluss maßgeblich geprägt. Ungeachtet diverser Sondereffekte in dem komplexen Zahlenwerk zeigt die HSH Nordbank insbesondere in der Finanzierung von Immobilien und Erneuerbaren Energien operative Stärke: Die Kernbank hat 2015 knapp 400 Mio. Euro vor Steuern verdient. Für 2016 erwartet die HSH Nordbank nach einem zufriedenstellenden Auftaktquartal, das wegen der hohen Bankenabgabe noch einen Verlust von vorläufig -36 (2014: 234) Mio. € vor Steuern aufweist, ebenfalls schwarze Zahlen. Darüber hinaus geht die Bank im laufenden Geschäftsjahr von einer zunehmenden Normalisierung mit deutlich weniger Sondereffekten als in den Vorjahren aus.

Zu dem guten Konzernergebnis in Höhe von 450 (278) Mio. € vor Steuern hat alleine die starke, zukunftsgerichtete Kernbank rund 90 % beigetragen, die übrigen zehn Prozent entfallen auf die Abbaubank. Der Jahresabschluss ist deutlich gekennzeichnet von der EU-Entscheidung, denn diese führte zur Auflösung von wesentlichen Teilen zukünftiger Garantieprämien. Gleichzeitig haben die unverändert schwierige Situation an den Schifffahrtsmärkten und weitere Abschreibungen auf die für den Verkauf vorgesehenen Altportfolios von bis zu 8,2 Mrd. € belastet und zu einer deutlich gestiegenen Risikovorsorge geführt.

Wegen eines überwiegend aus der EU-Entscheidung resultierenden hohen Steueraufwands von -352 Mio. € im Zusammenhang mit der Auflösung latenter Steuern verblieb unter dem Strich ein Konzernergebnis von 98 (160) Mio. €.

„Die Bilanz für 2015 zeigt deutlich, dass wir sukzessive Fortschritte machen. Wir setzen Schwerpunkte auf das Wesentliche, das Geschäftsmodell wird zusehends ausgewogener und unser Zahlenwerk in Zukunft weniger komplex. Nach einem deutlich profitablen Geschäftsjahr haben wir eine gute Basis dafür, den bevorstehenden Eigentümerwechsel mit all seinen Herausforderungen zu gestalten“, sagte Constantin von Oesterreich, Vorstandsvorsitzender der HSH Nordbank AG.

Operativ starke Kernbank – solide Margen und hohe Auszahlungsquote Die Kernbank erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Vorsteuerergebnis von 397 (-120) Mio. €. Das Neugeschäft in Höhe von 8,8 (9,5) Mrd. € war zwar leicht rückläufig, blieb insgesamt aber auf hohem Niveau. In der Kernbank führten solide Margen und eine verbesserte Auszahlungsquote zu einem Anstieg des operativen Zinsüberschusses auf 634 (588) Mio. €. Die spürbare Zurückhaltung der Kunden in den ersten neun Monaten des abgelaufenen Geschäftsjahres löste sich erst nach der informellen Verständigung im Oktober 2015 auf, die Geschäftsabschlüsse zogen danach merklich an. Das vierte Quartal war dementsprechend das mit Abstand stärkste.

In der Neugeschäftsentwicklung spiegeln sich auch ein bewusst reduziertes Volumen in der Schiffsfinanzierung sowie die zurückhaltende Kreditnachfrage hochliquider Unternehmenskunden wider. Positive Impulse lieferte erneut das Immobilienkundengeschäft, wenngleich auch hier der Fokus auf ein angemessenes Risiko-Ertrags-Profil zu einem lediglich moderaten Wachstum führte. Erfreulich entwickelte sich die Finanzierung regenerativer Energien. Hier zählt die HSH Nordbank in Deutschland sowie Europa zu den Marktführern. Insgesamt verteilt sich das Geschäft der Bank zunehmend gleichmäßig auf die drei Säulen Unter-nehmens- und Immobilienkunden sowie Shipping, die zum Jahresultimo jeweils rund ein Drittel des Kreditbestands ausmachten.

Die Bilanzsumme der Kernbank verringerte sich auf 70 (76) Mrd. €. Die bestandserhöhende Wirkung des Neugeschäfts wurde dabei durch reguläre und außerordentliche Kredittilgungen sowie den Abbau von Überschussliquidität, die im Vorfeld des Auslaufens von Anleihen mit Gewährträgerhaftung aufgebaut worden war, überkompensiert. Im Konzern machte sich zudem der Altlastenabbau in der Restructuring Unit bemerkbar, sodass die Bilanzsumme auf 97 (110) Mrd. Euro sank.

De Gesamtertrag der HSH Nordbank stieg im Berichtsjahr auf 1.296 (908) Mio. €. Treiber war mit 1.032 (586) Mio. € der kräftig gestiegene Zinsüberschuss, der unter anderem von zunehmenden Erträgen aus dem Neugeschäft der Kernbank profitierte. Dem standen belastende Effekte aus dem zuletzt weiter verstärkten Abbau risikobehafteter Altbestände und aus Kreditrückführungen durch Kunden gegenüber.

Der Provisionsüberschuss belief sich zum Jahresende 2015 auf 114 (130) Mio. €. Der plan-mäßige Rückgang ist insbesondere auf geringere Provisionen für Restrukturierungen in der Abbaubank im Zuge des deutlichen Portfolioabbaus zurückzuführen. Positiv wirkte das mit dem Neugeschäft verbundene Cross-Selling mit Leistungen über die Kreditfinanzierung hinaus. Das Handelsergebnis stieg auf 84 (61) Mio. €, wozu insbesondere operative Erfolge im Kundengeschäft sowie Wertsteigerungen bei Finanzinstrumenten führten. Das Ergebnis aus Finanzanlagen blieb im abgelaufenen Jahr mit 54 (169) Mio. € erwartungsgemäß deut-lich hinter dem Vorjahresergebnis zurück, das stärker von Wertaufholungen und positiven Veräußerungsergebnissen profitiert hatte.

Das 2014 initiierte Kostensenkungsprogramm für die Jahre 2015 bis 2017 hat die HSH Nordbank planmäßig weiter umgesetzt. Die Reduzierung von Sachkosten und der mit den Umstrukturierungen verbundene Personalabbau haben zur weiteren deutlichen Senkung des Verwaltungsaufwands auf -634 (-724) Mio. € beigetragen. Zum Jahresultimo 2015 verringerte sich die Zahl der Vollzeitarbeitskräfte wie geplant auf 2.384 (2.579). Ihre Niederlassung in New York hat die Bank im Jahresverlauf weiter verkleinert und Ende 2015 in eine Repräsentanz umgewandelt.

Angesichts der sich weiter verschlechternden Schifffahrtsmärkte und der bereits berücksichtigten Effekten im Zuge der anstehenden Übertragung notleidender Kredite an die Ländereigner hat die Bank eine hohe Risikovorsorge von -3.020 (-486) Mio. € gebildet, die in wesentlichen Teilen durch die Garantie kompensiert wurde. Der Vorsorgebetrag resultiert aus der Bewertung der zu übertragenden Portfolios zu von der EU-Kommission festgelegten Preisen (Risikovorsorge: -1.584 Mio. €) sowie einer erhöhten Vorsorge für die in der Bank verbleibenden, belastenden Schiffskredite (-1.155 Mio. €). Darüber hinaus gehende Wertberichtigungen betrugen -281 Mio. €.

Nach den Effekten aus der Garantie und den Strukturmaßnahmen ergab sich ein positiver Saldo für die Risikovorsorge in Höhe von 304 (577) Mio. €. Rund 2 der insgesamt rund 3 Mrd. € Risikovorsorge wurden durch die Garantie der Ländereigner Hamburg und Schleswig-Holstein kompensiert. Zusätzlich war die Risikovorsorge maßgeblich von Effekten im Zusammenhang mit der EU-Entscheidung geprägt: Positiv wirkten die Auflösung zukünftiger Verpflichtungen aus Garantieprämien. Demgegenüber stand die aufwandswirksame Auflösung des nach der EU-Entscheidung entfallenden Forderungsverzichts sowie die Einmalzahlung von 260 Mio. €, die in der zukünftigen Struktur der Bank von der operativen Tochtergesellschaft an die Holdinggesellschaft geleistet wird, in der die Anteile der Eigentümer gebündelt sind.

Die harte Kernkapitalquote (CET1-Quote, nach Basel-III-Übergangsregeln, phase-in) hat sich zum 31. Dezember 2015 auf 12,3 (10,0) % verbessert und lag damit trotz steigender regulatorischer Anforderungen auf einem guten Niveau. Die Entwicklung gegenüber dem Vorjahr geht zurück auf geringere Risikoaktiva im Zuge des fortschreitenden Portfolioabbaus sowie eine Stärkung durch die Wandlung des bisherigen Puffers aus der Zusatzprämie. Auch unter der Annahme einer vollständigen Umsetzung der Basel-III-Regeln (fully loaded) belief sich die CET1-Kapitalquote der HSH Nordbank auf solide 11,6 (10,0) %.

Bei der Übertragung notleidender Schiffskredite von zunächst 5,0 Mrd. € an die Ländereigner Hamburg und Schleswig-Holstein kommt die HSH Nordbank gut voran. Dazu haben die Länder jüngst die hsh portfoliomanagement AöR gegründet und personelle Weichen für deren Leitung gestellt. Geplant ist, das Länderportfolio zum 30. Juni 2016 zu übertragen. Auch die bis Mitte 2017 am Markt zu verkaufenden Engagements von bis zu 3,2 Mrd. € hat die Bank bereits identifiziert. Anders als das an die Länder zu verkaufende Portfolio beinhaltet das Marktportfolio neben Schiffskrediten auch Kredite aus den Bereichen Immobilien, Energy und Aviation.

Schwarze Zahlen für 2016 erwartet

Mit Abschluss des EU-Verfahrens und der bevorstehenden Übertragung notleidender Kre-ditportfolios setzt die HSH Nordbank klaren Kurs auf den Eigentümerwechsel. Auch 2016 legt die Bank ihren Fokus daher darauf, die operative Ertragskraft zu steigern, Kostenstrukturen zu verbessern und ihre Markposition entlang des Kompetenzprofils auszubauen. Für das Gesamtjahr 2016 rechnet die HSH Nordbank mit schwarzen Zahlen, dabei dürfte der Gewinn allerdings nicht an den hohen Vorjahreswert heranreichen. Denn 2016 erwartet die Bank eine weitere Normalisierung mit deutlich weniger Sondereffekten als in den Vorjahren.

Ermisch erwartet als neuer Vorstandschef – sein Vertrag ist bis 2018 befristet – eine Herkulesaufgabe. Seine Bank muss bis 2018 verkauft werden. So will es die EU-Kommission. Sonst muss sie abgewickelt werden. Dass die Zahlen über die an die Bad Banc übertragenen Risiken geschönt worden sind, ist nach dem, was in den letzten Tagen bekannt geworden ist, wohl unstreitig. Die verbliebene Kernbank in ein ruhiges Fahrwasser zu führen, ist vor dem Hintergrund des zusammen gebrochenen Schifffahrtsmarktes kaum möglich. Ein Erfolg würde den erfahrenen Banker für große Aufgaben qualifizieren.


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